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Reiler Vor- und Frühgeschichte

Die Anfänge der ersten menschlichen Siedlungen auf dem Gebiet der Reiler Gemarkung liegen im Dunkeln der Geschichte. Es gibt nur wenige archäologische Funde, die von einer Besiedlung der Moselregion in der Steinzeit Zeugnis ablegen. Aus der Bronzezeit haben mehr Spuren früher menschlicher Kulturen die Zeiten überdauert. Von der Eisenzeit an, deren Beginn in Westeuropa ungefähr mit dem Jahre 800 v. Chr. angesetzt wird, ist die Moselregion nachweislich dichter besiedelt. Entscheidend für deren zukünftige Entwicklung waren jedoch Einwanderer, die nach 500 v. Chr. vom Südwesten her den Fluss hinunter kamen. Keltische Stämme besiedelten die Moselgegend. Ebenso wie die Weinrebe, die sie vermutlich schon mitbrachten, sollten sie nie wieder aus der Region verschwinden.

Ein alter Moselübergang

Es gibt einen wichtigen Grund dafür, dass schon in früher Zeit sich Menschen in der Höhe des heutigen Ortes Reil niedergelassen haben könnten. Weil eine Furt den Fluss leicht zu durchqueren ermöglichte, führte eine alte Straße zwischen Hunsrück und Eifel bei Reil durch die Mosel. Begünstigt wurde die Führung dieses Weges auch dadurch, dass der Bergrücken an der Stelle des Reiler Halses sehr niedrig und das Tal der Alf leicht zu erreichen ist. Nach Ansicht von Historikern errichteten daher die Kelten bereits eine Siedlung an der Furt, vielleicht schon vor dem Jahre 500 v. Chr. In dieser Zeit wurde auch unweit des Ortes, auf dem Burgberg zwischen Reil und Kövenig, eine keltische Wehrburg angelegt. Noch heute sind dort die Überreste des aufgeschütteten Walles zu erkennen.
Der Moselübergang ist wohl auch der Grund dafür, dass an beiden Seiten des Flusses Siedlungen angelegt wurden. Der Kern des Dorfes Reil lag vermutlich am Pfahlbach, der am südlichen Ende des heutigen Dorfes in die Mosel fließt. Der frühere Königshof und Wallfahrtsort Reilkirch liegt dagegen auf der rechten Moselseite. Dort steigt das Gelände jedoch steil an, was die Zahl von Gebäuden von jeher stark begrenzte.

Römer erobern Gallien

In den tausend Jahren nach der Besiedlung durch die Kelten wechselte das Moseltal mehrfach den Besitzer. Zwar drangen immer wieder Gruppen der rechtsrheinischen Germanen in das Gebiet vor, doch ein entscheidender Einfluss kam vom Süden. Unter Julius Caesar eroberten die Römer zwischen 58 und 51 v. Chr. Gallien, - und damit auch das Gebiet der keltischen Treverer, wie der an der Mosel wohnende Stamm genannt wurde. Aus der Römerzeit fanden sich Spuren auf Reiler Gebiet. So tauchten bei Ausbaggerungen in der Moselfurt römische Münzen auf. Im Reiler Wald entdeckte man einen römischen Grabhügel aus dem 2. Jahrhundert.

 Karte der römischen MoselübergangeAuch die Römer nutzten nach Ansicht von Archäologen und Historikern den Moselübergang bei Reil. Die Furt sei eine von drei Übergängen an der Mittelmosel gewesen, die die Römerstraßen durch Eifel und Hunsrück miteinander verbanden (siehe Karte). Bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren entdeckte Keramikfunde wiesen bei Reilkirch eine Niederlassung von 2. bis 5. Jahrhundert n. Chr. nach. Dort sei demnach eine römische Wegestation gewesen, - und ein Marktort. Die besondere Lage an der Furt, wo sich mehrere Wege gekreuzt hätten, sei der Grund dafür gewesen, dort einen Rastort anzulegen. Es sei außerdem davon auszugehen, dass der Reiler Hals zu römischen Zeiten befestigt gewesen sei.

Es sollte 500 Jahre dauern, bis sich die Römer endgültig wieder aus der Region zurückziehen sollten. Während dieser Zeit gelang es ihnen nicht, die Grenzen des Reiches auf die Gebiete jenseits des rechten Rheinufers auszudehnen. Trotz ständiger Bedrohung durch die Germanen entwickelten sich die Provinzen links des Rheins zu hoher Blüte. Trier wurde unter Kaiser Konstantin gar zur Hauptstadt des weströmischen Reiches. In dieser Hochphase um das Jahr 370 n. Chr. verfasste auch der Dichter Ausonius sein Gedicht Mosella, in dem er seine neue Heimat überschwenglich preiste. Schon damals war die Flusslandschaft vom Weinbau geprägt. "Bis dort, wo der Hügel hoch oben am Joch schon himmelwärts strebt, bis dorthin ist der Uferrand mit grünem Wein bepflanzt", schrieb Ausonius. In einem Dekret hatte römischen Kaisers Probus (278-280 n. Chr.) den Anbau von Wein generell erlaubt.

Wie dicht die Region außerhalb der Städte besiedelt war, ist jedoch schwer zu beurteilen. Ausonius berichtet zumindest von zahlreichen Villen, die sich an die steilen Hänge schmiegten. Außerdem deuten viele Ortsnamen darauf hin, dass die Dörfer während der Römerzeit bewohnt waren. Allerdings war es wohl nicht der Fall, dass römische Siedler vermehrt in das Moselgebiet vordrangen. Statt dessen übernahmen die dort lebenden Kelten die Kultur und Sprache der Römer. Diese behielten sie auch bei, als nach dem Ende des Römischen Reiches die germanischen Stämme das linksrheinische Gebiet in Besitz nahmen. Erst im 8. Jahrhundert n. Chr. gaben die Moselaner endlich ihre spezielle Form des Vulgärlateins, das Moselromanisch, auf und verständigten sich fortan auf Deutsch. Einige romanische Sprachinseln sollen sogar noch bis ins 11. Jahrhundert erhalten geblieben sein.

Herkunft der Reiler Flurnamen

Deutliche Hinweise auf die moselromanische Sprache geben noch zahlreiche Reiler Flurnamen, wie zum Beispiel Plantert (von lat. plantata = angepflanzt), Breit (von lat. pratum = Wiese), Predell (von lat. pratellum = kleine Wiese), Vohl (von lat. vallum = Mauer). Eine Nähe zum romanischen Wort paries (Wand, Mauer) legt auch die heutige Pariser Straße nahe. Die steile Lehlgasse könnte ihren Namen vom mittellateinischen Wort laeula haben, was "kleiner Fels" bedeutet haben könnte. Den moselromanischen Ausdruck für Fels, - ley, lay oder auch lei geschrieben -, tragen viele Reiler Weinlagen, wie zum Beispiel Goldlay, Mullay und Falklay. Es ist ebenfalls gut möglich, dass die Bezeichnungen für die Reiler "Ortsteile" Pohl, Fischel, Stannert und Kulat auf moselromanische Begriffe zurückgehen. Kulat erinnert beispielsweise stark an collert, was Haselnussgebüsch bedeutete.

Kurios ist auch die Erklärung des Wortes Gardin, wie das Gartenland unterhalb der Kirche genannt wird. Die Reiler leiten dieses Wort vom französischen jardin ab und begründen dies mit dem starken französischen Einfluss der vergangenen Jahrhunderte. Tatsächlich verlief die Sprachentwicklung jedoch umgekehrt. Jardin entstand aus dem galloromanischen hortus gardinus, was "abgegrenzter Garten" bedeutet. Wobei das Wort gardinus wiederum vom fränkischen gard oder gardo abgeleitet ist. Das heißt, die Reiler konservieren mit Gardin die sprachliche Wurzel von jardin und haben das Wort nicht nachträglich aus dem Französischen übernommen.

Was heißt "Reil"?

Die einzelnen Besiedlungsstufen lassen sich zum Teil auch an den Ortsnamen ablesen. So tragen fast alle Nachbarorte Reils einen Namen galloromanischen Ursprungs, wie Zell, Pünderich oder Enkirch. Die Endung -iacum, wie zum Beispiel in anchiriacum (Enkirch), geht auf keltische Ursprünge zurück, wurde aber unter dem Einfluss der Römer latinisiert. Im Falle Reils ist die Deutung des Ortsnamens dagegen schwieriger. Im ältesten erhaltenen Schriftstück, das Reil erwähnt, wird der Ort rigala genannt. Dies kann nach Ansicht von Sprachwissenschaftlern vom mittellateinischen Wort rigola abgeleitet sein, was Rinne oder Graben bedeutet. Einer anderen Theorie zufolge ist rigala aus dem lateinischen Begriff regis aula entstanden, was übersetzt Königshof heißt. Diese Herleitung wird damit begründet, dass die fränkischen Könige einen solchen Hof in Reil besessen haben.

Denn nach dem Ende des weströmischen Reiches im Jahre 476 n.Chr. hatten die Franken die Herrschaft an der Mosel übernommen. Historiker gehen davon aus, dass die Gutshöfe am Pfahlbach und an der Furt in den Besitz der fränkischen Könige übergingen. Um das Jahr 750 soll bereits eine eigene Pfarrei in Reil existiert haben.


Literatur

BINSFELD, Wolfgang: Zwei römische Grabhügel mit Mauerkranz. In: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete, 42 (1979), S. 93-100.

ENGELS, Heinz: Die Ortsnamen an Mosel, Sauer und Saar und ihre Bedeutung für die Besiedlungsgeschichte. Trier 1961.

JUNGANDREAS, Wolfgang: Zur Geschichte des Moselromanischen. Studien zur Lautchronologie und zur Winzerlexik. Wiesbaden 1979.

MEYER-LÜBKE, Wilhelm: Romanisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1935.

RADKE, Hans: Die Römerstraße von Trier nach Andernach und römische Moselübergänge an der Mittelmosel. Hetzhof 1997.

SCHIFFHAUER, Joachim: Reil. Die Geschichte eines Moseldorfes. Koblenz 1954.

 

Zum Anfang dieser Seite Zuletzt aktualisiert am 16.Dezember 2004   © Friedhelm Greis